Osteopressur
Therapeutisches Ziel
Die Osteopressur verfolgt das Ziel, erhöhte muskuläre Spannungszustände zu regulieren und die natürliche Beweglichkeit des Bewegungsapparates zu unterstützen. Durch gezielte Druckimpulse auf definierte knöcherne Kontaktpunkte sollen funktionelle Anpassungsprozesse des Nervensystems angeregt werden, die zu einer Veränderung von Muskelspannung, Bewegungskoordination und Schmerzwahrnehmung beitragen können.
Neurophysiologischer Hintergrund
Nach heutigem Verständnis entsteht Schmerz nicht ausschließlich durch eine Gewebeschädigung, sondern durch die Verarbeitung sensorischer Informationen im Nervensystem. Mechanische Reize aus Muskeln, Faszien, Gelenken, Bändern und Knochen werden kontinuierlich aufgenommen, bewertet und in motorische sowie vegetative Antworten umgesetzt.
Gezielte Druckreize an den Osteopressurpunkten erzeugen neue afferente Informationen. Diese können nach heutigem neurophysiologischem Verständnis Einfluss auf die Verarbeitung sensorischer Signale sowie auf die Regulation muskulärer Schutzspannung nehmen.
Die Behandlung verfolgt dabei nicht das Ziel, Schmerzen zu „unterdrücken“, sondern dem Organismus neue Informationen bereitzustellen, welche eine Anpassung bestehender Bewegungs- und Spannungsmuster unterstützen können.
Biomechanischer Hintergrund
Nach dem therapeutischen Konzept von Liebscher & Bracht können dauerhaft erhöhte Spannungen innerhalb des muskulär-faszialen Systems zu einer veränderten Belastung von Gelenken und Bändern führen. Diese Spannungsmuster können die physiologische Beweglichkeit einschränken und funktionelle Beschwerden begünstigen.
Die Osteopressur setzt gezielt an knöchernen Kontaktpunkten an. Von dort aus sollen reflektorische Anpassungsprozesse angeregt werden, die zu einer Regulation muskulärer Spannung sowie zu einer verbesserten biomechanischen Bewegungsqualität beitragen können.
Im Unterschied zur klassischen Triggerpunktbehandlung liegt der therapeutische Fokus dabei nicht primär auf der Muskulatur selbst, sondern auf definierten knöchernen Referenzpunkten, über welche neurophysiologische Reaktionen ausgelöst werden sollen.
Praktische Durchführung
Nach einer ausführlichen funktionellen Untersuchung werden diejenigen Osteopressurpunkte ausgewählt, welche im individuellen Beschwerdebild therapeutisch relevant erscheinen.
Der Druck wird gezielt und individuell dosiert auf die entsprechenden knöchernen Strukturen ausgeübt. Während der Behandlung beobachtet der Therapeut fortlaufend Schmerzverhalten, Muskelspannung und Bewegungsqualität und passt Intensität sowie Behandlungsdauer entsprechend an.
Je nach Befund wird die Behandlung durch:
ergänzt.
Klinische Beobachtungen
In der therapeutischen Praxis werden häufig folgende Veränderungen beobachtet:
Verminderung muskulärer Schutzspannung
Verbesserung der Gelenkbeweglichkeit
Veränderung des Schmerzempfindens
Harmonisierung funktioneller Bewegungsmuster
Erleichterung alltäglicher Bewegungsabläufe
Verbesserte Körperwahrnehmung
Welche Veränderungen eintreten, ist individuell verschieden und hängt unter anderem von Beschwerdebild, Belastungsdauer sowie der aktiven Mitarbeit des Patienten ab.